Nordsee-Staaten wollen bei Windenergie besser kooperieren

16. Juli 20

Im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der Nordsee-Energiekooperation trafen sich in der vergangenen Woche die Energieministerinnen und -minister aus den Nordsee-Anrainerländern Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Deutschland sowie die zuständige EU-Kommissarin per Videokonferenz.

„Es wird erwartet, dass die Offshore-Windenergie eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Energie- und Klimaziele in den Jahren 2030 und 2050 spielen wird“, hieß es anschließend in einer gemeinsamen Erklärung.

Das Potenzial für den Einsatz von Offshore-Windenergie ist in der Nordsee aufgrund einer Reihe von technischen und administrativen Hindernissen allerdings noch lange nicht ausgeschöpft. Das Potenzial für 2050 werde auf „mehr als das Zehnfache der heute installierten Kapazität von 22 GW“ geschätzt, hieß es. Einig waren sich die Ministerinnen und Minister, dass die derzeitige „Neubau-Quote“ von Windkraftwerken mit einer Kapazität von insgesamt 3 GW pro Jahr „in den kommenden Jahren erheblich gesteigert werden muss“.

EU-Energiekommissarin Kadri Simson erörterte, wie die Zusammenarbeit im Bereich der Windenergie verstärkt werden kann. Sie umriss auch die Pläne der Kommission für eine Offshore-Windstrategie, die im Herbst veröffentlicht werden soll. „Die Offshore-Windenergie ist eine erneuerbare Energie, die eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 spielen wird", hatte die EU-Exekutive in einer Erklärung mitgeteilt. „Nur durch eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit, wie zum Beispiel zwischen den Nordsee-Anrainerstaaten, werden wir in der Lage sein, die Produktion erneuerbarer Energien ausreichend zu steigern und Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen,“ fügte Simson hinzu.

Es gibt jedoch Hindernisse für die verstärkte Kooperation bei internationalen Offshore-Windprojekten. Dazu gehören Unterschiede in der Arbeits- und Sozialpolitik, unzulängliche Regeln für den Energiemarkt und rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der grenzüberschreitenden Verteilung nationaler Staatssubventionen.

„Die Verteilungseffekte auf Kosten und Einnahmen der Marktakteure und die Auswirkungen auf nationale Förderprogramme für erneuerbare Energien müssen angegangen werden", um weitere Investitionen in die Offshore-Windenergie freizusetzen, waren sich die Ministerinnen und Minister einig.

Um die Probleme zu überwinden, forderten sie „die Entwicklung von Marktordnungskonzepten auf EU-Ebene, die die Realisierung von gemeinsamen und hybriden Projekten erleichtern“. Sie gelobten auch eine engere Zusammenarbeit bei Raumplanungsaspekten und forderten zusätzliche EU-Leitlinien für die Zuweisung von „Zielbeträgen“ für erneuerbare Energien sowie eine Aufteilung der Kosten mit Blick auf Netzverbindungen.

Deutschland versucht den Atom- und Kohleausstieg, doch zugleich kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht wie geplant voran. Helfen könnte eine EU-Ausbaustrategie für erneuerbare Energien, meint der Branchenverband. Deutschlands Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier fasste zusammen: „Gemeinsame und hybride Offshore-Windprojekte werden voraussichtlich eine wesentliche Rolle bei der Erreichung der Energie- und Klimaziele bis 2050 spielen.“

Das sieht auch die Industrie so: „Europa will viel mehr Offshore-Windenergie, und zwar schnell,“ sagte Giles Dickson, der CEO des Branchenverbandes WindEurope. „Die Koordination zwischen den Ländern ist entscheidend, um die Kosten zu minimieren. Und die Regierungen müssen außerdem damit beginnen, gemeinsame oder hybride Offshore-Windprojekte zu entwickeln, die mit mehr als einem Land verknüpft sind. Auf diese Weise können wir die Infrastruktur optimieren.“

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