Ökotests für neue Chemikalien ohne Versuche mit Fischen

Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz

Hunderttausende Jungfische sterben jedes Jahr für toxikologische Versuche in der Chemieindustrie. „Sie schwimmen in Aquarien und werden über Tage, Wochen oder sogar Monate verschiedenen Konzentrationen neuer Chemikalien ausgesetzt. Das Wachstum ist dann der messbare Indikator für den Gesundheitszustand. Für einen einzigen Chemikalientest brauche es mindestens 400 Versuchstiere“, schreibt Martin Läubli, Wissenschaftsredakteur des Schweizer „Tagesanzeiger“, der über einen jetzt veröffentlichten Artikel über Alternativen zu den Fischversuchen in der Fachpublikation „Science Advances“ berichtet.

Die ForscherInnen von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung & Gewässerschutz (Eawag), der beiden ETH in Zürich und Lausanne sowie der britischen Universität York zeigen auf, wie die Tierversuche durch ein Verfahren mit Fischzellen ersetzt werden könnten. «Wir können eine Zellkultur im Labor kontinuierlich wachsen lassen, dazu braucht es keine Fische mehr», sagt Mitautorin Kristin Schirmer.

Die Tests mit Zellversuchen haben nach Ansicht von Kristin Schirmer weitere Vorteile, schreibt Läubli. „Sie könnten zum Beispiel als eine Art Triage dienen. Sind Chemikalien für die Zellkulturen unbedenklich, könne vielleicht auch die Risikobewertung für den Menschen angepasst werden. «Das würde neben der Reduktion von Fischversuchen auch den Einsatz von Säugetieren senken», sagt die Ökotoxikologin.“

Bis das Verfahren jedoch weltweit als Standard anerkannt wird, sei es noch ein weiter Weg. „Nun sind unabhängige Studien wichtig, um die Methode mit verschiedenen Chemikalien zu testen“, sagt Kirstin Schirmer. Dafür braucht es aber als Vergleichswerte die Originaldaten der zahlreichen Fischversuche, die in den letzten Jahren in der Chemieindustrie durchgeführt wurden, aber nicht direkt öffentlich zugänglich sind.

Tagesanzeiger: Ökotests für neue Chemikalien ohne Versuche mit Fischen