Rückblick: Global Goals Konferenz in Wien
16. Juni 17
Mit einem Hinweis auf Karl Polanyis Buch „The Great Transformation“ eröffnete Fred Luks die „Global Goals Konferenz“ von Oikos Vienna, die am 8. Juni in der WU Wien stattfand. Denn der Welt stünde eine ebenso große Transformation dar wie sie von Polanyi beschrieben wurde, nur diesmal nicht hin zur industrialisierten Gesellschaft, sondern weg vom derzeitigen Kapitalismus. Die SDGs sollen ihren Teil zu diesem Wandel beitragen, auch wenn die Ziele – die schon in 13 Jahren erreicht sein sollen – fast unmöglich zu schaffen seien.
Nach einführenden Worten teilten sich die TeilnehmerInnen auf zwei parallel stattfindende Workshops auf. Zum einen wurden die SDGs im Business-Kontext beleuchtet, eine zweite Gruppe beschäftigte sich mit Bildung & Ungleichheiten.
Hier brachten sich verschiedene ExpertInnen wie Fred Luks (Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit WU), Felix Forster (respACT), Florian Fiedler (WU, Institute for Managing Sustainability) bzw. Toni Kronke (Teach for Austria), Sina Farahmandnia (Prosa - Verein Viel Mehr), Petra Sauer (WU, Research Institute Economics of Inequality), Eva Frei (BMWFW) und Lena Jäger (Frauenvolksbegehren) mit ihren jeweiligen Spezialgebieten ein und stellten ihre Projekte vor. Teach for Austria etwa ist ein Bildungsprogramm, das es Menschen mit Hochschulabschluss, allerdings ohne Pädagogische Ausbildung, ermöglicht, als LehrerInnen an sogenannten „Problemschulen“ tätig zu werden. An diesen Ziel-Schulen von Teach for Austria gibt es besonders viele Kinder, deren Familieneinkommen im untersten Dezil der Gesellschaft liegt und deren Eltern geringe oder keine Bildungsabschlüsse haben. Nach Abschluss ihres zweijährigen Programms sollen Teach For Austria-Fellows weiter wirken: als LehrerInnen an Zielschulen, als Social Entrepreneurs im Bildungsbereich, in der Wissenschaft sowie im öffentlichen und privaten Sektor.
Im Nachmittagsworkshop „Sustainable Cities & Konsum“ gaben Thomas Hruschka (Stadt Wien, MA 22, Nachhaltige Entwicklung), Rita Huber (Rita bringt's) und Lina & Berni (oikos Vienna) spannende Einblicke in dieses Themenfeld. Parallel dazu beschäftigten sich Andrea Stocker & Fritz Hinterberger (SERI), Anne Erwand (Ökobüro & WU Wien), Erich Ober (BMLFUW, Initiative Wachstum im Wandel), Beatrice Stude (Sinnstiftung Rasenna) und die TeilnehmerInnen mit dem Thema „Von globalen Zielen zur mutigen Umsetzung vor Ort. Szenarien für ein nachhaltiges Österreich“.
In seiner abendlichen Keynote sprach Christoph Müller vom Österreichischen Institut für Nachhaltige Entwicklung über die SDGs als „Österreichs (nachhaltiges) Ei des Kolumbus“. In seinem kritischen Vortrag ging er unter anderem auf die umstrittene Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes zum Stopp der dritten Piste am Flughafen Wien ein. Die darauf folgenden Reaktionen hätten gezeigt, wo wirklich da Interesse liege, wenn es darum geht echte Veränderungen umzusetzen. Bei den SDGs sei die Implementierung in Österreich stark ausbaufähig, hier hinke man Ländern wie der Schweiz oder Deutschland zumindest hinterher. Zumindest was den nach außen kommunizierten Stellenwert in der Politik betreffe, denn viele Ergebnisse ließen sich weder da wie dort feststellen.
Die von Fred Luks moderierte Abschlussdiskussion führten Norbert Feldhofer (BKA), Anne Erwand (Ökobüro), Julia Schwarzbauer (oikos Vienna) und wiederum Christoph Müller, die sich auch den Fragen des Publikums stellten. Feldhofer gab Einblicke aus Sicht der Verwaltung in das Thema SDGs. So seien diese nicht wie in anderen Ländern in einer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie verankert worden, das heiße aber nicht, dass deren Stellenwert geringer sei. Schwarzbauer kritisierte, dass rund um das Thema viel kritisiert werde, allerdings wenig umgesetzt. Während allenfalls auf sogenannte „Low Hanging Fruits“ abgezielt werde, würde diese Strategie verhindern, dass neue Wege gegangen werden. Laut Anne Erwand versuchen sich die NGOs beim Thema SDGs gerade zu organisieren, woraus auch schon ein gemeinsamer Brief an die Verantwortlichen entstanden sei.