Seas At Risk fordert strenge EU-Regel zu Mikroplastik
Nachdem die Europäische Kommission Ende August einen Entwurf zur Erweiterung der Anhänge der EU-Chemikalienverordnung um Vorschriften zu Mikroplastik vorgelegt hat, sollen der EU-Rat und das Europäische Parlament im November über die Annahme des Vorschlags entscheiden.
Das Europäische Parlament und der EU-Rat sollen im November den Kommissionsvorschlag zur Reduzierung der Plastikverschmutzung möglichst rasch annehmen, fordert die Meeresschutzorganisation Seas At Risk. „Obwohl der Verordnungsentwurf unvollständig ist und wichtige Maßnahmen zur Lösung des Mikroplastikproblems vermissen lässt“, begrüßte die Organisation allerdings „den zukunftsweisenden Vorschlag“. Der Vorschlag würde die Verwendung von Mikroplastik einschränken und damit das Versprechen der EU aus dem Jahr 2018 erfüllen, die Plastikverschmutzung zu reduzieren. Dies sei ein wichtiger erster Schritt, um das Problem an der Quelle einzudämmen.
Aufgrund der geringen Größe - 5 Millimeter oder weniger - sei Mikroplastik schwer zu überwachen, so Seas At Risk. Das winzige, leichte, schnell verteilbare und kaum nachweisbare Mikroplastik gelange bei entsprechender Produktverwendung – seien es glitzernde Kosmetika, schmutzabweisende Farben oder Reinigungsmittel – in die Umwelt: mindestens 42.000 Tonnen pro Jahr. Mittlerweile tauche Mikroplastik inzwischen sogar in weit abgelegenen und vermeintlich unberührten Regionen auf. Abgesehen von den Umwelt- und Gesundheitsgefahren über die Nahrungskette entstünden bei der Zersetzung der winzigen Partikel Treibhausgase wie Ethylen und Methan, die beide stärker wirkten als Kohlendioxid, warnte Seas At Risk.
Besonders auffällig sei nach Ansicht von Seas at Risk, dass Frankreich, das 2019 neben Spanien größter Nutznießer von Meeresfrüchten aus Wildfang und Aquakultur in der EU war, in seinem Plan keinerlei Maßnahmen zum Schutz der Meeresböden und der wesentlichen Fischlebensräume vorsähe. Darüber hinaus fehlten Pläne für die französischen Regionen in äußerster Randlage oder die überseeischen Länder und Gebiete. Außerdem vernachlässige Portugal auf mehr als der Hälfte seiner Flächen die nachhaltige Bewirtschaftung der maritimen Aktivitäten. Überdies werden in spanischen Gewässern zur Zeit gar kein maritimer Raumplan umgesetzt, weil die Genehmigung der nationalen Regierung noch aussteht, kritisiert Seas at Risk.
WWF kritisiert maritime Raumplanung in nördlichen EU-Meeren
Ende Oktober hat der World Wide Fund for Nature (WWF) die maritimen Raumordnungspläne von neun Mitgliedstaaten in Nordsee und Nordostatlantik analysiert. Dabei kam zutage, dass keiner der Pläne der EU-Mitgliedstaaten die zeitlichen und räumlichen Unwägbarkeiten des Klimawandels richtig mit einbeziehe, obwohl die erhöhten Meerestemperaturen bereits zwischen 1989 und 2017 die Fischerei beispielsweise von atlantischen Makrelen und Lachsen beeinträchtigt hätten und die zunehmende Erwärmung den Trend befeuern dürfte, ergab die Analyse des WWF.
Der WWF kritisiert das Versagen der EU-Mitgliedstaaten bei der Raumplanung in Nordsee und Nordostatlantik. Es sei „kolossal kurzsichtig“, dass derartig von gesunden Meeren abhängige Staaten die Realität von Klima- und Biodiversitätskrise bei der Bewirtschaftung ihrer Meeresgebiete ignorierten, kritisierte WWF-Meeresexpertin Antonia Leroy. Es sei ein „radikales Umdenken“ erforderlich, denn dies sei nicht nur aus Umweltsicht fragwürdig, sondern auch unverantwortlich sowohl für die direkt in diesem Sektor Beschäftigten als auch für die Beschäftigten in der Lieferkette der „blauen Wirtschaft“, so Leroy.
Seas At Risk encourages the EU to adopt draft microplastics regulation