Šefčovič: "Smart Grids sollen Europas Schiefergas werden"

Energie

Sogenannte ‚Smart Grids‘ (intelligente Energienetze), die volatile
Mengen der Solar- und Windenergieproduktion ausgleichen, könnten für Europa die gleiche Wirkung haben wie Schiefergas für die USA, so Maroš Šefčovič, Vizepräsident der Europäischen Kommission.

Er glaubt, dass ‚Smart Grids‘ von entscheidender Bedeutung für den EU-Energiebinnenmarkt und die Energie-Union seien, weil dadurch mehr erneuerbare Energien in die Stromnetze integrierbar wären, die Versorgungssicherheit erhöht und die Energiepreise für die Verbraucher gesenkt würden. "Die Smart Grids sind das neue Gehirn des Systems. Sie sagen uns, wo wir Energie brauchen und wo wir Energie sparen können", so Šefčovič.

Die stark umstrittene Schiefergasförderung in den USA hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Vereinigten Staaten ihre Energie-Unabhängigkeit erhöhen, die Strompreise verringern und bestimmten energieintensiven Industriezweigen des Landes einen Wettbewerbsvorteil verschaffen konnten.

Auch EU-Klima- und Energiekommissar Miguel Arias Cañete meint, dass ‚Smart Grids‘ von zentraler Bedeutung seien, die EU weltweit zur Nummer eins im Bereich erneuerbare Energien zu machen sowie eine Reform der europäischen Strommärkte erfolgreich umzusetzen.

Bereits jetzt stammen rund 25% des europäischen Stroms aus erneuerbaren Energien. Um allerdings die Hälfte der EU-Stromversorgung im Jahr 2030 aus Erneuerbaren zu gewinnen, bedürfe es mehr Flexibilität der Netze.

Betreiber von Nieder- und Mittelspannungsnetze müssten mehr in Energiespeichertechniken und Nachfragemanagement investieren, um Kunden zu ermutigen, ihre Nachfrage an den Preis und die Verfügbarkeit von Strom zu koppeln.

Gemeinsam mit ‚Smar-Metering-Systemen‘ könnten ‚Smart Grids‘ helfen, den Endverbrauchern Geld zu sparen und Energie hauptsächlich dann zu verbrauchen, wenn die Preise niedrig sind.

Auch intelligente (Haushalts-)Geräte werden eine Schlüsselrolle spielen. Ein solches Gerät wird in der Lage sein, auf Informationen der ‚Smart Grids‘ zu reagieren, was bedeutet, dass es sich selbst ein- oder ausschaltet, je nachdem ob gerade billiger Strom zur Verfügung steht.

Dies könnte Europa jährlich etwa 100 Mrd. € oder fast 200 € pro BürgerIn sparen, so Cañete.

Die Kommission sagt, die EU müsse bis zum Jahr 2020 Investitionen in Höhe von rund 400 Mrd. € für die Modernisierung von Stromübertragungs- und Verteilungsnetzen tätigen. Neben öffentlichen und privaten Investitionen soll das Geld auch aus dem von Kommissionspräsidenten Juncker vorgelegten Investitionsplan kommen.

Die Anforderungen an Stromnetze des 21. Jahrhunderts sind höher und komplexer als je zuvor: neben Umweltauswirkungen fossiler Brennstoffe; die Schwierigkeit, saubere aber volatile Energien aus z.B. Wind oder Sonne bei gleichbleibenden Kosten für Endverbraucher zu produzieren; die Versorgungssicherheit; und der Schutz vor Cyber Kriminalität sind nur einige Beispiele dafür.

Euractiv (Englisch)
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