Studie: Die Grönlandsee

Klima & Energie, Wasser, Meere & Fischerei

Verbringen wir unseren Urlaub in Zukunft an der Grönlandsee statt an der Adria? Eine neue Studie bestätigt den umfassenden Klimawandel, der auch die Meerestemperaturen signifikant beeinflusst.

Die Wassertemperatur in den Tiefen der Grönlandsee erwärmt sich derzeit etwa zehnmal stärker als die durchschnittlichen Temperaturen der Weltmeere. Dieses Forschungsergebnis haben WissenschafterInnen des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, jetzt in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht. Sie analysierten für ihre Studie Temperaturmessungen der Jahre 1950 bis 2010 aus den Tiefen der Grönlandsee, einem Meeresgebiet, das unmittelbar südlich des Arktischen Ozeans liegt. In den letzten dreißig Jahren ist die Wassertemperatur unterhalb von 2.000 Metern Tiefe um 0,3 Grad Celsius gestiegen.

„Das hört sich nach wenig an, aber wir müssen die Zahl in Relation zu der großen Masse der erwärmten Wasserschicht sehen“, sagt AWI-Forscherin und Studien-Erstautorin Dr. Raquel Somavilla Cabrillo. Zum Vergleich: Die in der tiefen Grönlandsee zusätzlich gespeicherte Energie würde einer Erwärmung der Atmosphäre von Europa um 4 Grad Celsius entsprechen. „Die Grönlandsee macht zwar nur einen kleinen Teil des Ozeans aus. Aber mit einer Erhöhung um 0,3 Grad haben wir in der tiefen Grönlandsee eine zehnmal schnellere Erwärmung als im Mittel im Weltozean.“

Als Ursache der Erwärmung in der Grönlandsee nennt die Wissenschafterin das veränderte Zusammenspiel zwischen dem absinkenden, sehr kalten Oberflächenwasser und dem einströmenden relativ warmen Tiefenwasser aus der Arktis. Bis zum Jahr 1980 standen beide Prozesse offenbar im Gleichgewicht, seit Anfang der 1980er Jahre aber wird der warme Einstrom aus der Arktis nicht mehr durch tiefreichende Abkühlung in der Grönlandsee kompensiert.

AWI-Studie: Die Tiefen der Grönlandsee erwärmen sich schneller als der Weltozean