Studie: Erbgutschäden bei Pflanzen und Tieren 25 Jahre nach Tschernobyl
Klima & Energie
Eine neue Studie von französischen und amerikanischen WissenschafterInnen zeigt, dass das Erbgut von Pflanzen und Tieren 25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl nachhaltig stark geschädigt ist.Rund 200.000 Quadratkilometer Fläche wurden 1986 durch den Atomunfall radioaktiv verseucht und das Erbgut von Tieren und Pflanzen in dieser Gegend ist laut Studie bei manchen Arten bis zu 20 Mal häufiger geschädigt als in Gegenden, die nicht radioaktiv verseucht sind.
Durch Fortpflanzung und Migration der Tiere sei das geschädigte Erbgut auch in andere, weit entfernte Länder verbreitet worden, unter anderem nach West- und Südeuropa.
Seltene Arten, darunter die weltweit vom Aussterben bedrohte Vogelart Seggenrohrsänger, dürften von der radioaktiven Verseuchung stärker betroffen sein als herkömmliche Arten. Seltene Arten wurden nur in Gegenden mit niedrigen Strahlungswerten gefunden. Die StudienautorInnen kamen zu dem Schluss, dass seltene Arten auf radioaktive Strahlungen anders reagieren als herkömmliche Arten.
Die WissenschafterInnen zeigten sich auch über die weitere Ausbreitung der Radioaktivität besorgt. Bauern, die nach der Ernte ihre Felder in Brand setzen sowie Waldbrände seien schuld daran, dass radioaktives Material durch den Wind in andere Gegenden getrieben würde. Unter anderem konnte radioaktives Material aus Tschernobyl im Jahr 2002 in Litauen und 2010 in Russland nachgewiesen werden.
Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ veröffentlicht, der Volltext des Artikels in englischer Sprache steht gratis als Download zur Verfügung.
Science for Environment Policy: The conservation effects of Chernobyl 25 years on (en, pdf)