Studie: Menschen handeln kooperativer, als sie es voneinander erwarten

Eine im Fachjournal Science veröffentlichte Studie unter Leitung von Prof. Dr. Armin Falk untersuchte die Kooperationsbereitschaft von Menschen in 125 Ländern. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Weltweit entschieden sich 69 Prozent der Teilnehmer für eine Option, bei der sie selbst auf Geld verzichteten, damit bei gemeinsamer Kooperation eine Spende zur Bekämpfung des Klimawandels ausgelöst wurde.

Die Studie zeigt zugleich, wie stark Kooperation von Erwartungen abhängt. Wer glaubt, dass andere ebenfalls zum Gemeinwohl beitragen, handelt selbst eher kooperativ. Persönliche Eigenschaften wie Altruismus, Geduld oder Risikobereitschaft verstärken diesen Effekt; Alter und Geschlecht spielten im weltweiten Durchschnitt hingegen keine Rolle.

Besonders aufschlussreich ist die Kluft zwischen tatsächlichem Verhalten und Erwartung: Während 69 Prozent kooperierten, schätzten die Befragten die Kooperationsbereitschaft anderer im Durchschnitt nur auf 47 Prozent. Diese pessimistische Fehleinschätzung zeigte sich in fast allen untersuchten Ländern. In Deutschland etwa lag die tatsächliche Kooperationsrate bei 86 Prozent, erwartet wurden jedoch nur 47,6 Prozent.

Die zentrale Botschaft der Studie ist damit ermutigend und politisch relevant: Das Problem ist oft nicht mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit, sondern mangelndes Vertrauen in die Bereitschaft anderer. Wird sichtbar, wie viele Menschen Verantwortung übernehmen, kann das weitere Kooperation fördern – und Vertrauen selbst zu einer wichtigen gesellschaftlichen Ressource werden.

STUDIE: Homo cooperans: Understanding the nature of human cooperation