Testbiotech: Genmais-Studie – Doppelstandards bei der EFSA
Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz
„Testbiotech“, ein deutsches Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, übt in einer Pressemitteilung vom Dienstag scharfe Kritik an der EU-Lebensmittelbehörder EFSA.Testbiotech zeigt in einem am Dienstag vorgestellten Bericht, „dass die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA unterschiedliche Standards bei der Bewertung wissenschaftlicher Publikationen anlegt. Demnach variieren die Kriterien von Fall zu Fall und die Bewertung von Studien wird anscheinend von vorgefassten Meinungen beeinflusst.“
Anlass für diese Pressemitteilung sind vor kurzem veröffentlichte Ergebnisse von Langzeitversuchen mit gentechnisch verändertem Mais (NK603) und dem Herbizid Roundup. „Hier zeigten sich bei Ratten deutliche Hinweise auf gesundheitliche Schäden (Séralini et al., 2012). Die EFSA wies diese Ergebnisse mit dem Argument zurück, bei der Durchführung der Studie seien wissenschaftliche Standards wie die der OECD nicht eingehalten worden. Die jetzt vorgelegte Analyse zeigt aber, dass die Behörde in der Vergangenheit bereits mehrfach Studien akzeptiert hat, die keineswegs die wissenschaftlichen Standards erfüllen, welche die Behörde nun als Maßstab an die Veröffentlichung aus Frankreich anlegt. Allerdings waren dies
durchwegs Studien, in denen keine gesundheitlichen Risiken festgestellt wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass sich die EU Behörde die ihr jeweils passenden Befunde selektiv herauspickt.“
Christoph Then von Testbiotech kritisiert „die Art und Weise, wie die EFSA Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen bewertet“. Diese „scheint von der einseitigen Absicht geleitet, jegliche Zweifel an der Sicherheit der Produkte
zurückzuweisen. Die Debatte über wissenschaftliche Standards wird dazu instrumentalisiert, um die bisherigen Stellungnahmen der Behörden zu verteidigen, nach denen keine gesundheitlichen Risiken zu befürchten sind.“
Laut Testbiotech würde die Studie aus Frankreich im Vergleich mit bisherigen Studien sogar ein deutlich höheres wissenschaftliches Niveau aufweisen, auch wenn sie methodische Schwächen hat. Die Ergebnisse müssten ernst genommen werden und die Grundlage für weitere Untersuchungen bilden, fordert Testbiotech.
In einem Hintergrundbericht, der als Download auf der Webseite von Testbiotech zur Verfügung steht, wird die Analyse der französischen Studie durch die EFSA von Testbiotech analysiert. Die „Analyse der Dossiers der Behörde zeigt Mangel an Objektivität bei Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen“, urteilt das Institut.
Testbiotech Pressemitteilung
Testbiotech-Bericht: EFSA: Unterschiedliche Standards bei der Bewertung von Fütterungsstudien