Tiefseebergbau als vermeidbare Umweltkatastrophe

Eine neue Studie des World Wildlife Fund (WWF) hat die wahrscheinlichen Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf Ökosysteme und Artenvielfalt sowie die mit der Zulassung der Industrie verbundenen Risiken zusammengefasst. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit von vielen negativen sozialen und ökologischen Folgen zu groß, um den kommerziellen Abbau mineralischer Bodenschätze zu erlauben.

In dem WWF-Bericht „In Too Deep: What We Know, And Don't Know, About Deep Seabed Mining“ werden die „aller Voraussicht nach“ zerstörerischen Auswirkungen auf die Ökosysteme und die Artenvielfalt beim Abbau von marinen mineralischen Rohstoffen wie Kobalt, Lithium und Nickel in Tausenden Metern Wassertiefe beleuchtet. Darüber hinaus könnte die Lebensgrundlage von etwa 200 Millionen Menschen, die von Fischerei abhängig sind, gefährdet werden. Auch Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe im Meer wären durch die großflächigen Eingriffe am Meeresgrund in Gefahr.

„Angesichts der Langsamkeit der Tiefseeprozesse ist es unwahrscheinlich, dass sich zerstörte Lebensräume innerhalb menschlicher Zeiträume erholen. Vorsorge muss deshalb das leitende Prinzip für alles Handeln in der Tiefsee sein“, fordert Tim Packeiser, WWF-Experte für Tiefseebergbau. Statt die Tiefsee zu zerstören, um an Rohstoffe zu kommen, müssten Recyclingprozesse angekurbelt werden. Umweltschäden könnten kaum verhindert oder vermindert werden, auch wenn interessierte Akteur*innen etwas anderes behaupteten.

Durch Bergbauaktivitäten am Meeresgrund aufgewirbelte Sedimente und durch den Wiedereintrag von Abraum ins Meer könnten sich riesige Trübungswolken bilden, die mit den Meeresströmungen weit über die eigentlichen Abbaugebiete hinausgetragen werden. Letztlich trügen die Allgemeinheit und der gesamte Planet die Risiken, während sich die wirtschaftlichen Vorteile des Tiefseebergbaus auf wenige Unternehmen beschränkten, kritisiert der WWF. Dabei gelte der Meeresboden außerhalb nationalstaatlicher Grenzen laut Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen als „Gemeinsames Erbe der Menschheit“.

WWF fordert weltweites Moratorium für den Tiefseebergbau

Deshalb fordert der WWF ein weltweites Moratorium für den Tiefseebergbau, bis die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen umfassend verstanden sind und bis bewiesen ist, dass Tiefseebergbau in einer Weise betrieben werden kann, die den effektiven Schutz der Meeresumwelt gewährleistet und den Verlust der Artenvielfalt verhindert.

Der Beirat für Langstreckenfangflotten (Long Distance Fleet Advisory Council - LDAC) hatte im Mai 2019 der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten empfohlen, ein Moratorium für den Tiefseebergbau in internationalen Gewässern zu vereinbaren. Die gleiche Forderung stellten Teilnehmer*innen des Deutschen Naturschutztages 2018 in Kiel. Auch das EU-Parlament hatte sich Mitte Jänner 2018 in einer Resolution für ein Moratorium ausgesprochen.

 

WWF Deutschland/Pressemitteilung: Schätze am Meeresboden schützen

WWF Europa/Pressemitteilung: WWF report: deep seabed mining is an avoidable environmental disaster

WWF-Report: In Too Deep: What We Know, And Don't Know, About Deep Seabed Mining

Pressemitteilung EU-Kommission zum Beitritt zu ICRI

Offizielle Seite der Internationalen Korallenriff-Initiative ICRI: ICRI – International Coral Reef Initiative (icriforum.org)

DNR-Artikel: Tiefseebergbau als vermeidbare Umweltkatastrophe