Umweltbundesamt-Studien: Belastung der ÖsterreicherInnen mit Phtalaten, Bisphenol A und HCB
Chemie & Nanotechnologie
Das Umweltbundesamt hat in einer umfangreichen Studie die Belastung der ÖsterreicherInnen mit zwei der meist verbreiteten Industriechemikalien, Phthalaten und Bisphenol A, untersucht. Bei allen 600 StudienteilnehmerInnen wurden Phthalate nachgewiesen. Nur wenige Personen sind mit Bisphenol A belastet. Insgesamt sind die gefundenen Konzentrationen geringer als im internationalen Vergleich.Insgesamt wurden 14 Stoffwechselprodukte der Substanzgruppe der Phtalate im Harn analysiert. Kinder sind die am stärksten belastete Gruppe; nur Monoethylphthalat ist bei Erwachsenen in wesentlich höheren Konzentrationen zu finden. Frauen weisen höhere Konzentrationen als Männer auf. Bei den meisten StudienteilnehmerInnen wurden nicht nur ein Stoffwechselprodukt, sondern gleich mehrere unterschiedliche nachgewiesen.
Phthalate werden als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt und gelten als höchst gesundheitsgefährdend; sie beeinflussen das Hormonsystem und die Reproduktionsfähigkeit und können den Fötus im Mutterleib schädigen. Sie werden vorwiegend mit der Nahrung, aber auch über Luft und Haut aufgenommen.
Nur wenige StudienteilnehmerInnen (16 Prozent) sind mit Bisphenol A belastet. Die Konzentration sinkt mit zunehmendem Alter. Bisphenol A wird u.a. für die Herstellung von Polykarbonaten, Epoxidharzen, Thermopapier und PVC verwendet. Die Substanz ist endokrin wirksam und beeinflusst das Hormonsystem und die Fruchtbarkeit. Studien zeigen u.a. Zusammenhänge mit kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes.
Die Umweltbundesamt-Studie ist Teil einer Dissertation zum Thema "Human Biomonitoring of Phthalates and Bisphenol A Exposure in Austria", deren Ergebnisse im "International Journal of Hygiene and Environmental Health" veröffentlicht wurde. Sie basiert auf der Datengrundlage des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Wien im Rahmen der vom Gesundheitsministerium finanzierten Studie zum österreichischen Ernährungsbericht, und wurde durch ein Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie durch das BMFLUW finanziert.
Erstmals wurden in einer weiteren Studie auch Referenzwerte für Hexachlorbenzol (HCB) bestimmt. Sie spiegeln die Belastung wieder, die bei 95 Prozent der österreichischen Bevölkerung vorliegt. HCB wurde als Fungizid in der Landwirtschaft zur Saatgutbehandlung und in Holzschutzmitteln sowie als Zusatzstoff in PVC-Produkten und Klebstoffen eingesetzt. Zusätzlich kann die Substanz als Nebenprodukt in der Kunststoff- und Lösemittelherstellung entstehen. HCB ist ubiquitär verbreitet, persistent in der Umwelt und kann über die Nahrungskette akkumulieren. Die Aufnahme kann oral, dermal und über die Lunge erfolgen. Zusätzlich gelangt es über die Muttermilch in den Säugling. HCB ist ein potenzielles Karzinogen.