Umweltdachverband: Bodenschutz für Schutz vor Hochwasser unverzichtbar

Der Sommer 2021 war global sowie in Europa nicht nur von überdurchschnittlich hohen Temperaturen geprägt, sondern zudem von massiven Hochwasserereignissen. Auch Österreich und insbesondere die Bundesländer Salzburg und Tirol waren davon betroffen. Wie der Umweltdachverband hinweist, stelle ein besserer Bodenschutz eine wesentliche Maßnahme gegen Hochwasser dar.

„Boden erfüllt nicht nur für die Natur, sondern auch für den Menschen viele wichtige Funktionen. Er dient nicht nur Millionen Mikroorganismen als Lebensraum und bildet die Grundlage unserer Nahrungsproduktion sowie unseres Rohstoffbedarfs, sondern spielt auch eine wichtige Rolle als CO2-, Nährstoff- und Wasser-Speicher bzw. -Filter und trägt damit entscheidend zur Reinhaltung des Grund- und Trinkwassers, zum Schutz vor Hochwasser und zur Stabilisierung des Klimas bei“, weist der Umweltdachverband auf die Bedeutung des Bodens hin. „Seine zunehmende Gefährdung ist jedoch besorgniserregend: Freie Bodenflächen werden durch Verbauung und Versiegelung immer weniger, Österreich ist dabei trauriger Europameister.“

Nach aktuellen Untersuchungen des Umweltbundesamts beträgt in der Periode 2014 - 2016 die tägliche Flächeninanspruchnahme 14,7 ha oder 24 Fußballfelder. Das überschreitet den bereits für 2010 festgelegten Zielwert der österreichischen Strategie für nachhaltige Entwicklung nahezu um das Sechsfache. Seit 2001 stieg der Versiegelungsgrad um 43.000 ha; im Jahr 2016 lag er bereits bei 230.000 ha. Laut dem Umweltbundesamt kann ein Hektar funktioneller, unversiegelter Boden bis zu 2.000 Kubikmeter Wasser speichern. Auf Beton und Asphalt können die Wassermassen allerdings nicht versickern, sondern werden aufgestaut.

Darüber hinaus erhöht auch der schlechte Zustand der heimischen Flüsse das Hochwasserrisiko. Nur noch rund 15 Prozent der heimischen Flüsse gelten als ökologisch intakt, zudem sind nur elf Prozent der Wälder naturbelassen. Die meisten österreichischen Flüsse sind stark reguliert, begradigt und kanalisiert. Die natürlichen Überschwemmungsräume wie Feuchtgebiete, naturnahe Wälder und Moore wurden im letzten Jahrhundert für Verbauungen und intensive Landwirtschaft auf ein Fünftel der ursprünglichen Fläche dezimiert.

Umfassende Bodenschutzmaßnahmen notwendig

Auch die Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) Österreich fordert umfassende Bodenschutzmaßnahmen und den Ausbau naturbasierter Lösungen wie die Sanierung von Flüssen und ihrem Umland, denn die massive Bodenversiegelung, die Überregulierung der heimischen Flüsse und der großflächige Verlust an naturbelassenen Wäldern und Mooren steigern die Intensität extremer Wetterereignisse dramatisch. „Intakter Boden ist wie ein Schwamm, der Wasser aufsaugen kann. Je mehr verbaut und versiegelt wird, desto mehr verlieren wir diese überlebenswichtige Bodenfunktion. Das macht Versiegelung zum Sicherheitsrisiko, vor allem in Zeiten der Klimakrise mit häufigeren und immer stärkeren Wetterextremen“, erklärt Maria Schachinger, Bodenschutzsprecherin beim WWF Österreich. „Anstatt weiter intakten Grünraum unter Straßen, Gewerbeparks und Asphaltwüsten zu begraben, muss die Politik rasch konsequente Maßnahmen zum Erhalt und zur Wiederherstellung von Böden und Ökosystemen setzen.“

Deshalb fordert der WWF von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger einen Bodenschutz-Vertrag. „Die Ministerin muss rasch einen Bodenschutz-Vertrag vorlegen und gemeinsam mit den Ländern umsetzen. Dazu gehört auch ein umfangreiches Programm zur Wiederherstellung zerstörter Flüsse und Feuchtgebiete für den ökologischen Hochwasserschutz“, sagt Schachinger.

Rückenwind in ihren Forderungen erhalten der Umweltdachverband und der WWF Österreich in einer aktuellen market-Umfrage. Demnach fordern 76 Prozent der Österreicher*innen einen „Bodenschutz-Vertrag, der auch eine verbindliche Obergrenze für den Bodenverbrauch vorsieht.
 

Ökonews: Bodenschutz und Renaturierungen gegen Hochwasserrisiko ein Muss

OTS: WWF-Umfrage: Drei Viertel für verbindliche Obergrenze beim Bodenverbrauch