Umwelthormone: Keine Entwarnung für kleine Mengen
Chemie & Nanotechnologie
Auch kleine Dosen von sogenannten endokrinen Disruptoren, hormonähnlich wirkenden Substanzen, können beträchtliche negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben. Das ist das Ergebnis einer vergleichenden Studie der Tufts University. Neue Methoden der Risikobewertung seien dringend erforderlich.Es gibt inzwischen in allen möglichen Alltagsgütern wie Kosmetik, Lebensmitteln oder Kunststoffen Dutzende von Substanzen, die hormonähnlich wirken. Eine der kontroversesten Streitfragen, ob auch kleine Dosen schädlich sein können, scheint nun beantwortet. Drei Jahre haben die 12 WissenschafterInnen hunderte Studien verglichen, die sich mit Umwelthormonen (endokrine Disruptoren - EDC) beschäftigen. Gesundheitseffekte auf Menschen und Tiere seien auch bei kleinen Mengen von EDC "bemerkenswert häufig".
Herangezogene Beispielstudien zur umstrittenen Chemikalie Bisphenol A oder dem Pestizid Atrazin lieferten wissenschaftliche Beweise, dass "niedrige Dosen nicht ignoriert werden dürfen". EDC zeigten ein breites Spektrum von gesundheitlichen Auswirkungen auf Menschen unterschiedlichen Alters, darunter Unfruchtbarkeit, Herz-Kreislauferkrankungen, Fettleibigkeit und Krebs.
"Ob niedrige Dosen von EDC-Verbindungen einen Einfluss auf menschliche Erkrankungen haben, ist nicht länger nur eine Vermutung, wie epidemiologische Studien zeigen", schreiben die AutorInnen. Es gebe eine Verbindung mit der Exposition und Erkrankungen und Behinderungen. Die seit Jahren angewendeten Forschungsmethoden seien nach diesen Erkenntnissen nicht mehr ausreichend, um die Gefährdung durch kleine Mengen wirklich gut zu untersuchen. Die WissenschafterInnen forderten eine Methodenreform. [DNR]
DNR: Umwelthormone: keine Entwarnung für kleine Mengen
Environmental Health News
Studie: "Hormones and Endocrine-Disrupting Chemicals: Low-Dose Effects and Nonmonotonic Dose Responses" (en, PDF)