UN-Klimakonferenz: Kohleausstieg soll beschleunigt werden

 Mit einem neuen Entwurf der Abschlusserklärung für die Weltklimakonferenz COP26 werden die rund 200 Staaten dazu aufgerufen, den Ausstieg aus der Kohle zu beschleunigen und auch Subventionen für Kohle, Gas und Öl zu streichen. In dem am Mittwoch veröffentlichten Dokument heißt es, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase schnell, stark und nachhaltig gedrosselt werden muss, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Konkret sollen die Treibhausgabe bis 2030 um 45 Prozent und bis zur Mitte des Jahrhunderts auf netto null reduziert werden. Anders lasse sich die Erderwärmung nicht wie angestrebt auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen.

Noch bis zum 12. November findet unter der Präsidentschaft des Vereinigten Königreichs in Partnerschaft mit Italien in Glasgow die seit 31. Oktober laufende 26. Weltklimakonferenz statt. Ehrgeizigere globale Vereinbarungen bei der Verringerung der Treibhausgase, damit die im Klimaübereinkommen von Paris festgelegten Temperaturziele noch erreicht werden können, gehören zu den wichtigsten Zielen der Konferenz.

Neue Prognosen des Climate Action Tracker (CAT), die auf der Konferenz veröffentlicht wurden, zeigen: Selbst wenn die Zusagen aller Staaten zum Klimaschutz für das Jahr 2030 umgesetzt werden, klettert die Erderwärmung den Forscher*innen zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch auf etwa 2,4 Grad. Bei Betrachtung dessen, was die Staaten jetzt tun, und Ausblendung weiterer Ankündigungen würde demnach die Erderwärmung bis 2100 sogar auf 2,7 Grad steigen.

Von Globale Methane Pledge bis zur „Großen Grünen Mauer“

Gemeinsam mit den USA hat die Europäische Union bereits am dritten Tag der Konferenz offiziell ihre Initiative Globale Methane Pledge zur Senkung der Methanemissionen um 30 Prozent bis 2030 gestartet. Über hundert Länder unterstützen die von US-Präsident Joe Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ins Leben gerufene Initiative. Allerdings gehören Russland, China, Indien, Australien, die Türkei und Südafrika nicht zu den Unterstützern, obwohl diese Länder zu den großen Verursachern von Treibhausgasemissionen zählen.

Die EU ist ein Teil der First Movers Coalition, der auch Unternehmen aus CO2-intensiven Sektoren wie Stahl und Zement angehören. US-Präsident Biden kündigte an, die Initiative First Movers Coalition werde die Kaufkraft der Unternehmen nutzen, damit „wirtschaftlich tragfähige Alternativen zur Dekarbonisierung von Industriestädten, Industriesektoren und mehr“ gefördert werden können.

Weiters wird eine Verstärkung der weltweiten Anstrengungen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zur Finanzierung von Klimamaßnahmen angestrebt. Auch verhandeln die Staatsvertreter*innen über das „Regelwerk“ des Übereinkommens von Paris, mit dem die Fortschritte der einzelnen Vertragsparteien bei der Umsetzung ihres „national festgelegten Beitrags“ verfolgt und die Transparenz und Umweltintegrität der internationalen CO2-Märkte gewährleistet werden sollen.

Zudem haben das Vereinigte Königreich, die USA, Deutschland, Frankreich und Südafrika sowie die EU auch eine Partnerschaft zur Unterstützung der südafrikanischen Energiewende ins Leben gerufen. Die Partner haben zunächst 8,5 Milliarden US-Dollar zugesagt, um Investitionen des Privatsektors in saubere Energie zu mobilisieren.

Überdies haben das Vereinigte Königreich, Dänemark, die USA und mehrere weitere Länder eine gemeinsame Erklärung zur CO2-neutralen Schifffahrt verabschiedet. Darin wird die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) aufgefordert, das Ziel bis 2050 zu übernehmen und gleichzeitig „ehrgeizige“ Zwischenziele für 2030 und 2040 festzulegen.

100 Staats- und Regierungschef*innen haben sich darüber hinaus dazu verpflichtet, die Wälder zu schützen, den Waldverlust bis 2030 zu stoppen und rückgängig zu machen. Zu diesem Zweck sicherte von der Leyen eine Milliarde Euro zu. Von der Leyen sagte zu, dass die EU die Bemühungen um den Bau der „Großen Grünen Mauer“, die das Vordringen der Sahara in den Süden verhindern soll, weiter unterstützen werde.

Umweltorganisationen fordern höhere Klimaschutzambitionen

Naturgemäß haben Umweltorganisationen zu Beginn der Klimakonferenz höhere Klimaschutzambitionen als bisher gefordert. „In Glasgow müssen dringend die Klimaschutzambitionen gesteigert werden. Nur durch deutlich erhöhte nationale Klimaschutzpläne aller Vertragsstaaten kann das 1,5 Grad-Limit noch eingehalten werden“, sagte der Präsident von NABU (Naturschutzbund), Jörg-Andreas Krüger.

Aus Sicht des World Wide Fund for Nature (WWF) komme es besonders auf Deutschland und die EU an, zumal beide „eine enorme historische Verantwortung“ zur Eindämmung der Klimakrise hätten. „Und sie haben gleichzeitig die wirtschaftliche und politische Macht, umfassenden Klimaschutz zum Standard zu machen“, sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

Kritisch zur laufenden Klimakonferenz äußerte sich Greenpeace. Klima-Initiativen wie der Wald-Deal oder der Kohleausstieg „mögen zwar von außen glänzen, doch der Teufel steckt im Detail. Schwammige Formulierungen und viel zu späte Ausstiegstermine drohen den Klimaschutz auf die lange Bank zu schieben“, so die Umweltschutzorganisation.

Schließlich hoben die NGOs Corporate Europe Observatory und das Transnational Institute in einem gemeinsamen Briefing hervor, dass sich die Delegierten auf der COP26 erstmals mit der Frage befassen, wie die Finanzmärkte reformiert werden können. Mit dieser Diskussion soll sichergestellt werden, dass die Finanzströme „mit einem Weg zu niedrigen Treibhausgasemissionen und einer klimaresistenten Entwicklung vereinbar sind.“ Doch die Erwartungen sollten nicht zu hochgeschraubt werden, denn es sei zu befürchten, dass der Versuch, Investitionen zum Beispiel in fossile Brennstoffe anzugehen, „in Trägheit und symbolischen Erklärungen enden“ werde, so die beiden NGOs.


COP26 Official Website
 

Übersicht zur COP26 von Climate Home News 

EU-Kommission: Die EU auf der COP26: Schutz der Wälder, Senkung der Methanemissionen und grüne Investitionen

NABU-Blog zur COP26 

NABU: Weltklimakonferenz muss Ambitionen, Geld und gute Regeln liefern 

WWF Deutschland: Lackmustest COP

Germanwatch - COP26 in Glasgow

WWF - Klimagipfel in Glasgow: Lange Reise, klares Ziel

DNR - UN-Klimakonferenz: Brüssel macht zahlreiche Versprechen

Tagesschau - zum Klimagipfel

ORF - Klimagipfel: Abschlusserklärung ruft zu Kohleausstieg auf