VCÖ: Hohe Ultra-Feinstaubbelastung an stark befahrenen Straßen
Verkehr & Luft & Industrie
An stark befahrenen Straßen in Städten kann die Ultra-Feinstaubbelastung ähnlich hoch sein wie in Raucherlokalen. Das ist ein Ergebnis von Messungen, die der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) gemeinsam mit dem internationalen Experten Press-Kristensen vom Danish Ecological Council durchgeführt hat. Trotz der großen Gesundheitsschädlichkeit gibt es in Österreich im Gegensatz zu Deutschland und Dänemark für Ultra-Feinstaub (PM0,1) keine Messstationen.Hauptverursacher sind Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter. In verkehrsberuhigten Zonen und in Nebenstraßen ist die Ultra-Feinstaubbelastung deutlich geringer. Ultra-Feinstaub kann massive Gesundheitsschäden verursachen. Der VCÖ fordert unter anderem die Ausweitung der Fahrverbote für alte Lkw ohne Partikelfilter und mehr öffentliche Verbindungen für Pendler.
An verkehrsfernen Orten beträgt die Ultra-Feinstaub Belastung rund 4.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft, beispielsweise im Park Schönbrunn. Die höchste Durchschnittsbelastung am Gürtel war fast 30 Mal so hoch. Am Hernalser Gürtel wurde eine durchschnittliche Belastung von 114.164 Partikel pro Kubikzentimeter Luft gemessen, der maximale Minutenwert betrug sogar 165.631 Partikel. Auch an anderen Messstellen entlang des Gürtels war die Belastung mit 69.000 bis 89.000 Partikeln hoch, ebenso die Belastung an der Westeinfahrt am Hietzinger Kai (rund 50.000). Der dänischen Experte Press-Kristensen war erstaunt über die hohen Ultra-Feinstaub-Werte: „Das Danish Ecological Council hat in vielen europäischen Städten Messungen durchgeführt. In Wien sind die Werte viel höher als in Kopenhagen, Berlin oder Mailand.“
„Die Spitzenbelastungen im Straßenverkehr erreichen die Dimensionen verrauchter Lokale“, sagt VCÖ-Expertin Bettina Urbanek. „Je kleiner die Staubpartikel, umso stärker beeinträchtigen sie die Gesundheit der Bevölkerung. Nicht nur die Atemwege sind betroffen: Die winzigen Partikel sind für viele Organsysteme gefährlich“, stellt Umweltmediziner Dr. Hans Peter Hutter von den „ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt“ fest. Größerer Feinstaub (PM10) bleibt in den oberen Atemwegen (Nase, Rachen) „hängen“. Die kleinsten Partikel (PM0,1 bis PM1) können bis in die Lungenbläschen und in den Blutkreislauf eindringen. So gelangen sie in verschiedene Organe, wo sie chronische Mikroentzündungen mit schwerwiegenden Folgen verursachen können.