Verlängerung der Glyphosatlizenz: EU-Kommission entscheidet jetzt
Die EU-Mitgliedstaaten haben sich nicht einigen können, die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der EU zu verlängern. Bei der letzten Abstimmung am 24. Juni 2016 fehlte dafür die nötige Mehrheit.
Frankreich und Bulgarien stimmten demnach gegen eine Verlängerung der Zulassung um bis zu 18 Monate, wie sie die EU-Kommission vorgeschlagen hatte. Deutschland enthielt sich ebenso wie sechs weitere Staaten, 19 Länder stimmten dafür. Die Zulassung des Herbizids in der Europäischen Union läuft Ende Juni aus. Weil im EU-Rat kein Beschluss zustande gekommen ist, kann nun die Kommission alleine entscheiden. Es wird eine Verlängerung für 18 Monate erwartet.
„Wenn sich die Europäische Kommission entscheidet, die weitere Zulassung auf Biegen und Brechen durchzudrücken, schadet sie dem Ansehen demokratischer Entscheidungen in der EU. Jetzt ist der Zeitpunkt, um giftige Pflanzenschutzmittel zu verbieten und den Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft in der EU zu gehen“, sagt der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament Martin Häusling.
Für Heike Moldenhauer, Pestizidexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), belegt die fehlende Einigkeit der EU-Mitgliedstaaten das Misstrauen vieler Regierungen gegen Behauptungen, Glyphosat sei unbedenklich. „Die Kommission muss aus den Zweifeln der Mitgliedstaaten an der Unbedenklichkeit von Glyphosat den einzig richtigen Schluss ziehen und die Zulassung zum 30. Juni auslaufen lassen", sagte Moldenhauer. Sie wies ebenso wie der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) Leif Miller darauf hin, dass eine Zulassungsverlängerung des Ackergifts dem Vorsorgeprinzip der EU widerspricht. „Eine Verlängerung darf nicht erfolgen, solange nicht alle Risiken für Mensch und Natur einwandfrei widerlegt sind", sagte Miller.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Glyphosat im vergangenen Jahr als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft, die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) halten die Substanz jedoch für unbedenklich. [ih, Quelle, DNR]
Quelle, DNR: Verlängerung der Glyphosatlizenz weiter offen
EU-Kommission: Hintergrundinformationen zu Glyphosat