Waldfonds als Chance für Biodiversität
4. Feb 21
Der Waldfonds wurde im Vorjahr von der österreichischen Bundesregierung beschlossen und mit 350 Millionen Euro dotiert. Seit dem 1. Februar stehen sechs von insgesamt zehn Maßnahmen mit einem Volumen von insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung.
Mit dem Waldfonds der Bundesregierung zur Unterstützung sollen Waldbäuerinnen und Waldbauern unterstützt werden, deren Wälder unter klimabedingten Schäden, Stürmen, Schneedruck und Borkenkäferbefall leiden. Zwar nimmt jährlich die Waldfläche in Österreich um 3400 Hektar zu, doch 2019 waren rund 62% der gesamten österreichischen Holzernte Schadholz.
„Die Maßnahmen reichen von der Unterstützung bei der Wiederaufforstung über die Abgeltung von Borkenkäferschäden bis hin zur Einrichtung von Holzlagerstätten und Forstschutzmaßnahmen“, erklärte Bundesministerin Elisabeth Köstinger anlässlich des Starts des Waldfonds. „Unser Ziel ist es, mit dem ‚Waldfonds‘ die angespannte Lage in unseren Wäldern zu entschärfen, die regionale Wertschöpfung zu steigern und die Wälder zukunftsfit zu machen.“
WWF und BirdLife: Neuer Waldfonds muss Naturwälder und Artenvielfalt unterstützen
Der Umweltdachverband begrüßt den Waldfonds als wertvolle Hilfestellung, um Österreichs Wäldern aus der Krise zu helfen. Besonders erfreulich sei der Ausbau des Naturwaldreservatenetzes und auch Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in den Wäldern. Auch die Naturschutzorganisationen WWF und BirdLife Österreich begrüßen das Biodiversitätspaket im neuen Waldfonds und fordern angesichts der akuten Klima- und Biodiversitätskrise eine wirksame Umsetzung. „Der Schutz der Artenvielfalt im Wald ist über Jahrzehnte vernachlässigt worden, der Aufholbedarf ist riesig. Daher muss der Waldfonds den Schutz der letzten Naturwälder ermöglichen und unterstützen“, sagte WWF-Waldexpertin Karin Enzenhofer. Neben Außer-Nutzungs-Stellungen müsse insbesondere der Schutz der meistgefährdeten Waldarten durch das Belassen von Totholz und durch wissenschaftliches Monitoring gezielt gefördert werden.
„Anstatt Fördergelder mit der Gießkanne auszuschütten, müssen sie prioritär dort eingesetzt werden, wo es die größten Defizite gibt“, fordert Karin Enzenhofer, die allerdings auch die intensive Bewirtschaftung und das Setzen auf Monokulturen kritisiert. „Die heimischen Wälder sind nicht nur aufgrund der Klimakrise anfällig für Borkenkäfer-Befall, sondern gerade auch aufgrund von zu vielen Monokulturen und einer zu intensiven Forstbewirtschaftung. Daher wäre es fatal, nur die Symptome der Waldkrise zu bekämpfen“, warnt Enzenhofer. „Übernutzte Wälder sind weder für die Artenvielfalt noch im Kampf gegen die Klimakrise eine große Hilfe. Daher braucht Österreich mehr denn je artenreiche und klimafitte Naturwälder. Nur dann wird unser Wald seine Funktion als Klimaanlage, Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für unzählige Organismen wieder voll und ganz ausüben können.“
„Altholzinseln und Totholz sind von hoher Bedeutung für eine Vielzahl von Spechten, Eulen, Insekten und Pilzen, die nicht zuletzt auch unerwünschte Massenvermehrung einzelner Tierarten wie Borkenkäfern bremsen können. Diese wichtige Funktion ist leider durch das jahrhundertelange Leerräumen unserer Wälder vielerorts verloren gegangen“, erklärt Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Daher sei das Biodiversitätspaket im Waldfonds sehr zu begrüßen.
Konsultation zur Entwicklung einer neuen Forststrategie
Die EU-Kommission hat im Rahmen des Europäischen Grünen Deals am 29. Jänner eine Online-Konsultation zur Entwicklung einer neuen EU-Forststrategie gestartet. Die Ergebnisse der Konsultation fließen in die Forststrategie ein, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Mit der Strategie sollen gesunde und widerstandsfähige Wälder geschaffen werden, die einen wichtigen Beitrag zu den Biodiversitäts- und Klimazielen der EU leisten.
Ziel der Konsultation ist es, die Ansichten von Bürgern, Institutionen und Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Sektor zu sammeln, wie die Herausforderungen der Wälder zu bewältigen sind, insbesondere in Bezug auf den Klimawandel, den Verlust der biologischen Vielfalt, ihre Rolle in ländlichen Gebieten, das sozioökonomische Wohlergehen und Katastrophenrisiko-Management. Es wird auch untersucht, wie EU-Unterstützungsinstrumente, Waldüberwachung, forstbasierte Industrie und das Ziel, bis 2030 drei Milliarden Bäume zu pflanzen, mobilisiert werden können, während gleichzeitig die weltweite Führungsrolle der EU beim Schutz der Wälder sichergestellt werden soll.
Die Konsultation konzentriert sich auf das Gebiet der EU und ergänzt damit die Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage zur aktuellen Rolle und zum Nutzen der Wälder der EU sowie die - in der Mitteilung zur Intensivierung der EU-Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder der Welt - dargelegten Aktivitäten. Bürger*innen und Organisationen sind eingeladen, ihre Ansichten zu den potenziellen Zielen und Maßnahmen der neuen EU-Forststrategie bis zum 19. April 2021 mitzuteilen.
Bundesministerium für Landwirtschaft