Wenn der reiche Käufer kommt: WTO unterstützt Landverkäufe in Entwicklungsländern

Allein im Jahr 2009 wurden in Afrika, Asien und Lateinamerika rund 45 Mio. ha. landwirtschaftlicher Fläche an Investoren aus dem Ausland oder die Regierungen anderer Länder verkauft. Tendenz steigend, vermutet die Weltbank in einem aktuellen Bericht und nennt als Gründe dafür die jüngsten Lebensmittelkrise sowie die steigende Nachfrage nach Agrotreibstoffen.

Nichtregierungsorganisationen wie z.B. die britische Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam kritisieren diese Praxis und sprechen vom „global land grab“ und „Neokolonialismus“.
Auch der Anfang September 2010 veröffentlichte Bericht der Weltbank weist auf die Probleme hin: Die Landverkäufe führen oft zu Verschlechterungen für die lokale Bevölkerung, insbesondere für Bevölkerungsgruppen, die auch davor schon schlechter gestellt waren. Insbesondere wenn überzogene Profiterwartungen nicht erfüllt werden, kommt es auch zu Übergriffen der Investoren auf Land, das explizit für die lokale Bevölkerung bestimmt wurde. Dies führt dann zu Umweltschäden und gefährdet die Ernährungssicherheit.

Trotz Kritik an mangelnder Transparenz und möglichem Schaden für die lokale Bevölkerung, steht der Weltbankbericht den globalen Landverkäufen insgesamt positiv gegenüber, da diese zu höherer Produktivität und sinnvollen Investitionen führten.
Damit die Landverkäufe positiv ablaufen, schlägt die WTO einen Verhaltenskodex vor, in dem auch die Sicherstellung der Ernährungssicherheit und ökologische Nachhaltigkeit berücksichtigt sind.

Website zum Bericht mit Downloadmöglichkeit (en)
Pressemeldung Oxfam (en)