WWF fordert: Biodiversitätsstrategie sofort umsetzen
28. Jan 21
Dringlich und wichtig seien tiefgreifende Maßnahmen für den Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt. Doch wenn die Staaten weiter so verhandeln, riskieren sie „ein weiteres verlorenes Jahrzehnt“, warnt der WWF. Laut WWF-Analysen habe die Europäische Union ihr Biodiversitätsziel, bis 2020 den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2020 zu stoppen, verfehlt. 81 Prozent der Lebensräume in der Europäischen Union hätten einen „schlechten“ oder „mangelhaften“ Zustand (wir berichteten).
Deshalb hat der WWF unter dem Titel „Nature positive by 2030: Kunming plan for nature and people“ (Natur positiv bis 2030: Kunming-Plan für Natur und Menschen) ein eigenes Papier vorgelegt. Darin finden sich die Vorschläge der Umweltorganisation für ein transformatives, umfassendes und messbares globales Biodiversitätsrahmenwerk für die Zeit nach 2020. Indes bereiten sich die Vertragsstaaten - darunter auch die EU - auf die Debatten über einen solchen Rahmen vor.
Voraussichtlich im Oktober dieses Jahres werden die Verhandlungen, die das UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) erweitern sollen, im chinesischen Kunming stattfinden. Infolge der Pandemie war das Treffen um ein Jahr verschoben worden. Nach Einschätzung des WWF stelle das CBD-Vertragsstaatentreffen „eine einmalige Gelegenheit dar, ein globales Biodiversitätsabkommen ähnlich dem Pariser Abkommen zum Klimawandel zu erreichen“. In diesem Jahr gab es schon eine hochrangige Konferenz zum Thema: Der One Planet Summit in Paris.
EU-Biodiversitätsstrategie als „Leuchtfeuer der Hoffnung“
Zugleich ist die neue Bewertung des WWF auch eine deutliche Warnung: Sie stellt fest, dass der aktuelle Entwurf des Biodiversitätsplans weder ehrgeizig noch umfassend genug ist, um die globale Naturkrise zu bewältigen. „Die EU muss mit gutem Beispiel vorangehen und ihre eigene Biodiversitätsstrategie sofort in die Tat umsetzen“, fordert Ester Asin, WWF European Policy Office. „In den globalen Verhandlungen für einen Biodiversitätsrahmen muss die EU einen robusten Umsetzungsmechanismus fordern, der die Länder zur Rechenschaft zieht, um sicherzustellen, dass Vereinbarungen auf dem Papier in schnell wirksame Handlungen umgesetzt werden. Sie muss auch sicherstellen, dass die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften anerkannt werden.“
Allerdings könne die EU-Biodiversitätsstrategie bis 2030 „ein Leuchtfeuer der Hoffnung sein“, sofern wenn sie vollständig und schnell umgesetzt werde, so der WWF. Besonders die Finanzierung müsse aber bei allen Staaten endlich auf die Prioritätenliste, fordert der WWF. So müssten die reicheren Länder sowie auch die EU sich verpflichten, die ärmeren Länder zu unterstützen. Gleichzeitig müsse der neue Biodiversitätsplan negative Auswirkungen der Finanzwirtschaft auf die natürlichen Ressourcen der Welt angehen, indem naturfreundliche Praktiken gefördert und umweltschädliche Subventionen beseitigt werden.