WWF sieht große Lücken bei Artenschutz in Meeresschutzgebieten

 

Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des EU-Parlaments (ITRE) hat am Mittwoch, 1. Dezember über einen nicht legislativen Bericht über erneuerbare Offshore-Energien abgestimmt. Der World Wide Fund for Nature (WWF) unterstützt das ITRE-Engagement für Energieeffizienz sowie die Aufforderung an die Europäische Kommission, gegen die Verspätung der EU-Mitgliedstaaten bei der Erstellung von Plänen für die nachhaltige Bewirtschaftung von Meeresgebieten vorzugehen. Die meisten maritimen Raumordnungspläne, die sich mit der nachhaltigen Bewirtschaftung von Meeres- und Küstengebieten befassen, seien nicht zeitgerecht bis zum 31. März 2021 vorgelegt oder unvollständig abgegeben worden. Auch kritisiert die Umweltschutzorganisation, dass der ITRE-Bericht nicht darauf eingehe, wie Energiepolitik und Naturschutz einander überschneiden.

Einerseits werde die Bedeutung einer gemeinsamen Planung sowie die Einbeziehung wichtiger Interessengruppen hervorgehoben und die Erstellung zugänglicher regionaler Karten vorgeschlagen, welche die Nutzungsmöglichkeiten von Meeresräumen zeigen. Andererseits lasse der Bericht angesichts einer fehlenden klaren Position zu Projekten für erneuerbare Energien in Meeresschutzgebieten (MPAs) „eine große Lücke im Bereich des Meeresschutzes“.

Windturbinen mögliches Risiko für wichtige Lebensraumstrukturen

MPAs dienen dem Schutz bestimmter Arten oder Lebensräume in marinen Ökosystemen. Für einen wirksamen Schutz der biologischen Vielfalt müssten sie allerdings ordnungsgemäß verwaltet werden. Infrastrukturen wie Windturbinen in diesen Gebieten könnten laut dem WWF ein Risiko für wichtige Lebensraumstrukturen darstellen. In der weiteren Folge könnte die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme gegenüber dem Klimawandel beeinträchtigt werden. Deshalb fordert der WWF, dass Anlagen für erneuerbare Energien nicht innerhalb von MPAs oder anderen, für empfindliche Arten und Lebensräume ökologisch wertvolle Gebiete errichtet werden.

Voraussichtlich im Jänner 2022 wird das Plenum des Europäischen Parlaments wird über den Bericht abstimmen. Im Falle einer Annahme des Berichts wäre dies die Antwort der EU-Abgeordneten auf die Offshore-Strategie für erneuerbare Energien der Europäischen Kommission vom November 2020.

Pro Wildlife: Walfangverbot rettete 1,3 Millionen Walen das Leben

Zudem erinnerte die Artenschutzorganisation Pro Wildlife anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung der Internationalen Walfangkommission (IWC) am 2. Dezember, eines der ältesten Umweltabkommen der Welt, dass erst das seit 1986 geltende kommerzielle Walfangverbot den industriellen Walfang weitestgehend beendet und seither mehr als 1,3 Millionen Walen das Leben gerettet habe. Zunächst als „Club von Walfangländern gegründet, die das Geschäft mit Walprodukten möglichst lange am Leben halten wollten“, sollte die IWC die Jagd regulieren. „Das Walfangverbot ist einer der größten Erfolge, der jemals im internationalen Artenschutz erzielt wurde“, sagte Sandra Altherr, Biologin und Meeresexpertin von Pro Wildlife. Seither sei die Zahl getöteter Wale im Vergleich zu den 1970er-Jahren um mehr als 92 Prozent zurückgegangen. In den kommenden Jahren werde sich entscheiden, ob die IWC ihre aktuelle Finanzkrise überlebe und den Wandel zu einer konsequenten Walschutzorganisation schaffe.


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