WWF zum neuen IPBES-Report: Pandemie-Risiko steigt mit Naturzerstörung
5. Nov 2020
Pandemien werden mit zunehmender Zerstörung von Lebensräumen häufiger auftreten, sich schneller ausbreiten, mehr Menschen töten und größere Schäden für die Weltwirtschaft haben als COVID-19. Deshalb sei Naturschutz die beste Vorsorge gegen neue Infektionskrankheiten. Das betonte der World Wildlife Fund (WWF) in einem vergangene Woche veröffentlichten Bericht des Weltbiodiversitätsrats (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services/IPBES).
Als wesentliche Risikofaktoren nennen die 22 beteiligten Fachleute aus aller Welt die Zerstörung von Ökosystemen und Lebensräumen sowie den Handel mit und den Konsum von Wildtieren. „Eine intakte Natur ist das beste Bollwerk gegen neue Infektionskrankheiten, die sich von Tieren auf Menschen übertragen. Daher muss die Politik die ökologische Pandemie-Vorsorge massiv verbessern“, fordert Hanna Simons, Programmleiterin beim WWF Österreich. „Wir brauchen einen weltweiten Naturschutzpakt nach dem Vorbild des Pariser Klimavertrags und einen sofortigen Stopp des illegalen Handels mit Wildtieren.“
Aus Sicht des WWF sei ein grundlegender Wandel in Politik und Wirtschaft notwendig, um den Raubbau an der Natur stoppen und innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften. „Einerseits gehören Arten und ihre Lebensräume überall besser geschützt, andererseits müssen wir an den Wurzeln der Probleme ansetzen und eine Ernährungswende einleiten. Das heißt: Lebensmittel sehr viel umweltfreundlicher erzeugen und konsumieren. Parallel dazu muss der extrem hohe Bodenverbrauch gestoppt werden“, fordert Simons.
WWF fordert Importstopp für umweltschädliche Produkte
Vor allem die Europäische Union sieht der WWF in der Verantwortung, zum globalen Vorreiter einer ökologischen Pandemievorsorge zu werden. „Europa ist einer der größten Pro-Kopf-Importeure von landwirtschaftlichen Rohstoffen. Daher muss ein wirksames Gesetz den Import von umweltzerstörerischen Produkten untersagen“, betont Simons. Zudem müsse sich die EU in den Verhandlungen für ein ambitioniertes Rahmenwerk der UN-Biodiversitätskonvention einsetzen. „Damit muss es gelingen, den Biodiversitätsverlust bis 2030 weltweit zu stoppen und umzukehren“, sagt Simons.
Ohne Trendwende drohen immer mehr gefährliche Schnittstellen, an denen sich Krankheiten von Tieren auf Menschen übertragen können. Der neue IPBES-Report spricht von geschätzt 1,7 Millionen "unentdeckten" Viren in Säugetieren und Vögeln. Bis zu 850.000 könnten die Fähigkeit haben, Menschen zu infizieren. „Es liegt in unserem ureigensten Interesse, unsere Ökosysteme besser zu schützen. Denn das Problem sind nicht die Wildtiere, sondern unser falscher Umgang mit ihnen“, so Simons.
Der umfassende Schutz der Umwelt zahlt sich auch finanziell in hohem Maße aus, wie der IPBES-Bericht zeigt. Denn die Fachleute schätzen, dass es die Weltgemeinschaft Hundert Mal weniger kostet, das Risiko für eine weitere Pandemie wie COVID-19 zu reduzieren und ihr vorzubeugen als sie bewältigen zu müssen.