Überblick


Nachhaltigkeit & Wirtschaft

Effektiver Umweltschutz ist erst dann möglich, wenn wirtschaftliches Handeln und der Schutz der Umwelt Hand in Hand gehen. Um ein solches Miteinander zu erreichen, wird zunehmend auf eine „Ökologisierung der Wirtschaft“ bzw. die sogenannte „Green Economy“ gesetzt. Von einer Green Economy versprechen sich ihre BefürworterInnen nicht nur Chancen für einen verbesserten Umweltschutz, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung Europas.

Die Wachstumsstrategie „Europa 2020“ der Europäischen Union verfolgt dementsprechend das Ziel, eine wettbewerbsfähige, kohlenstoffarme und ressourceneffiziente Ökonomie aufzubauen. Unter anderem soll im Vergleich zu 1990 bis in das Jahr 2020 eine Treibhausgasreduktion um 20% erreicht und der Anteil der Erneuerbaren Energien am Markt auf 20% erhöht werden.

Nicht nur in Europa, sondern weltweit verbinden sich mit der Transformation der Wirtschaft zu einer Green Economy hohe Erwartungen. So geht die International Labour Organisation (ILO) etwa davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten weltweit zwischen 15-60 Millionen neue Green Jobs geschaffen werden könnten.

Eine Neuausrichtung der Wirtschaft setzt jedoch voraus, dass die Politik entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen setzt, da der Markt gerade beim Schutz öffentlicher Güter wie Klima und Artenvielfalt versagt. Zudem braucht es  gezielte „grüne Investitionen“, etwa in Erneuerbare Energien, kohlenstoffarmen Verkehr, energieeffiziente Gebäude oder nachhaltige Bewirtschaftung in der Landwirtschaft. Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen einer Green Economy bilden immer wieder Gegenstände politischer Auseinandersetzungen.

Das Konzept der Green Economy beruht grundsätzlich auf der Annahme der Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz. KritikerInnen  halten diese Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung für eine Utopie und sehen in Green Economy sogar eine Gefahr für die Verschärfung ökologischer Probleme. Ein wirklicher Wandel hin zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft könne nicht nur durch Innovation und technologischen Fortschritt erreicht werden, sondern erfordere die Bereitschaft zum Verzicht und die Einsicht, dass dauerhaftes Wirtschaftswachstum auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht möglich sei.

20 Millionen

Mehr als 20 Millionen Jobs in der EU sind auf irgendeine Weise mit der Umwelt verknüpft.

Postwachstum


Im Rahmen der Wachstum im Wandel Konferenz im November 2018 hat das EU-Umweltbüro zusammen mit dem European Environmental Bureau (EEB) eine Session zum Thema Postwachstum veranstaltet. Unter dem Titel „A Positive Post-Growth Scenario For Europe – The X Ways To Make A Post-Growth Society Work“ diskutierten die bekannte Postwachstumsökonomin Kate Raworth (Autorin von Doughnut Economics), Toni Ribas Bravo (Ecology Group Coordinator bei der spanischen Partei Barcelona en Comú), Halliki Kreinin (PhD Studentin an der WU Wien), Barbara Kreissler (Director bei Signify) und Patrick ten Brink (Policy director des EEB) WIE der Wandel in eine Postwachstumsökonomie gelingen kann.  

Patrick ten Brink legte mit seiner Präsentation zu Beginn die Dringlichkeit für eine Transition in eine Postwachstumsökonomie dar und präsentierte 5 mögliche Hebelpunkte, die Gegenstand der weiteren Diskussion waren: 1) Dienstleistungsökonomie 2) Sozial-ökologische Steuern 3) Wohlstandswachstum statt Wirtschaftswachstum 4) CO2-Zölle und 5) Suffizienz. Peter Woodward moderierte die anschließende Diskussion mit den Panellisten und dem Publikum. Die Diskussionsbeiträge wurden gesammelt und die ursprünglichen 5 Hebelpunkte dementsprechend weiterentwickelt.

Das Endergebnis sind die sogenannten „Vienna Vehicles“, die hier heruntergeladen werden können und von den im Dokument genannten Personen unterstützt werden. Erstens fordern die UnterzeichnerInnen einen Paradigmenwechsel in der Politik – weg vom Ziel Wirtschaftswachstum hin zu Wohlergehen. Von der Kommission wird beispielsweise gefordert, den Stabilitäts- und Wachstumspakt in einen „Pakt für Stabilität und Wohlergehen“ umzuwandeln und ein Generaldirektorat für „Wohlergehen und zukünftige Generationen“ einzurichten. Zweitens fordern sie eine Umverteilung in Form von höheren Steuern auf Vermögen, einer geringeren Besteuerung von Arbeit, eine progressive Besteuerung von Umweltverschmutzung und einen Spitzensteuersatz von mehr als 80%. Als dritten Punkt werden politische Maßnahmen für Suffizienz gefordert.

Die Forderungen können hier im Detail nachgelesen werden.

The Vienna Vehicles

1) Dethrone King GDP, crown Queen WELL-BEIN

2) TAX PARADISES for the few? REDISTRIBUTION for the many!

3) EFFICIENT products are good, SUFFICIENT solutions are great

 

Weitere Infos hier